Mäuse

Mäuse werden in normalen Käfigen gehalten, saubere Streu, ausreichend Nahrung und Wasser. Wenn man sie auf eine spezielle Konstruktion setzt, dann laufen sie nicht ins Freie sondern kriechen sofort in einen von hohen Wänden umgebenen Gang und kauern sich in die Ecke, zitternd und unablässig mit den Vorderpfoten die Schnurrhaare zur Seite streichend, wie zur eigenen Beruhigung. Andere Mäuse wachsen in Käfigen auf, die eine Holzvorrichtung zum Klettern und Löcher zum Durchkriechen besitzen. Nach einiger Zeit macht man den Test. Diesmal entscheiden sich die Mäuse nicht für den dunklen Gang sondern laufen raus in die Freiheit und erkunden das Labor.

Ich halte an. Wie war das?

Die erste Maus ist nicht imstande, ihre Freiheit zu erkennen. Sie hat ihren dumpfen Frieden geschlossen mit dem Gitter. Die Streu wird von einer unbekannten Macht gewechselt, das Wasser ist stets frisch, zu sehen gibt es nichts, und dieses Nichts ist friedlich und stumm. So hockt sie da, die Maus, ein Embryo im Mutterbauch. Die Welt da draussen kann nur feindlich sein, laut und hart und trocken. Die unbekannte Macht nimmt mit großer Hand die Maus und setzt sie in ein Labyrinth. Wohlwollen kann die Maus nicht spüren. Sie erschrickt und blickt sich um. Wo ist ihr wunderbarer Käfig, seine kühlen Stangen, an denen man nagen kann, ohne dass etwas passiert? Ein Gang geht nach vorne, einer zurück, und an der Ecke vorne lauert es. Sie kann es spüren, wittern, ein gefährlicher Geruch steigt in die empfindliche Nase, ein kalter Hauch weht durch die Schnurrhaare, doch es gibt kein Versteck mehr, keine dunkle Ecke und kein Kuscheln in die frische Spreu.
Ist die unbekannte Macht böse geworden? Was hat sie, die Maus, getan, dass sie sich einer solchen Strafe schuldig gemacht hat?

Es ist nur ein Experiment, die Macht ist frei von Zorn, sie fragt sich bloß, was nun passiert.

Die zweite Maus ist mir eigentlich ziemlich egal. Sie kommt sowieso klar, sie konnte ja auch schon von Anfang an herumspielen und ausprobieren. Eine von diesen langweiligen Gewinnermäusen…

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