Der Kauz

Ich habe ja nichts gegen den Kauz. Wie könnte ich? Zu sehr mag ich, was er singt, schreibt, malt, dichtet, musiziert und verschweigt. Nur muss ich ihn mir ja nicht zum Ziel nehmen. Ich könnte nicht zum Beispiel mich selbst zum Ziel nehmen, der ich gerade aktuell bin. Zum Ziel nehme ich mir etwas, was ich anstrebenswert finde. Als Weg zum, nun ja, zum Glücklichsein. Und genau an dieser Stelle geht das Licht an und die Werbung springt herein und ruft mit wohlmassierter Stimme: „Na ALSOOO! Du willst GLÜCKLICH sein? Hier habe ich das RICHTIGE für dich! Benutze DIESE Zahnseide nach dem Rauchen DIESER Zigaretten und vor dem Küssen einer Frau mit DIESEM Outfit, und du bist wirklich und wahrhaftig GLÜCKLICH!“ Da berührt mich also die Werbung an genau der Stelle, wo sie uns gerne alle berühren will. Es ist aber gar nicht die Abkehr von dem Glüklichseinwollen, welche die Abkehr von der Werbung erfordert, es ist einfach die Abkehr von der Werbung. Die Abkehr von ihren Rezepten und ihren offenkundig schwachsinnigen Vorschlägen.
Vielleicht wollen wir aber auch was ganz anderes. Die Hinwendung zum glücklichen Kauz. Hm, das ist interessant. Doch erstens: Existiert dieser glückliche Kauz? Und zweitens: Wenn ja, was macht ihn dann noch zum Kauz?

Ich stelle mir gerade vor: Olympiade der Käuze. Unter den Disziplinen: Stottern, Scharren, Knabbern, Haare verwüsten, rätselhaft reden und gucken, sinnlose Gegenstände sammeln, keine oder unmögliche Frauen heiraten oder begatten, abgefahrene oder schlechte Musik hören, zu kurze Hosen tragen, Theorien erfinden, die keiner versteht, Bücher schreiben, die nur aus Beschimpfungen bestehen. Und der Gewinner gewinnt: DAS GROSSE GLÜCK. Danach wird er natürlich sofort disqualifiziert und darf nie wieder teilnehmen, denn er erfüllt ja nicht mehr die wichtigste aller Voraussetzungen: das Unglücklichsein.

Je mehr ich über ihn nachdenke, umso mehr löst sich der Kauz vor meinen Augen auf. Übrig bleiben Menschen, die langweilig sind, und welche, die weniger langweilig sind. Der Kauz, kurz bevor er sich vor mir aufgelöst hat, gehörte immerhin zu den weniger langweiligen Menschen.

Vielleicht kenne ich deshalb soviele davon…

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