Zeitumkehr

Mit einem frischen und fast lautlosen Zischen verschwinden die letzten Sekunden, dann die Minuten aus der Erinnerung der Welt. Stück für Stück entferne ich die letzte Stunde. Es ist nicht schade drum, nein diese Stunde war vertan vom Anfang bis zum Ende. Nur eine Ahnung bleibt, und alle Spuren, Bilder, Worte jener letzten Stunde sind verschwunden. Eine wunderbare Leere beginnt mich zu erfüllen. Minuten werden unvergangen, Zeit entstundet. Wie weit kann ich gehen? Es ist mir gelungen, mich umzudrehen, mich der Zeit entgegenzustellen. Sie schreitet weiter fort, doch ich bleibe stehen, drehe mich um und lasse sie vorbei. Die Zeit, die stets genug von sich hat, nimmt sich davon soviel sie mag. Ich nicht. Ich hüpfe, trabe auf der Stelle und sehe die Sekunden an mir vorübertanzen. Unzählig viele, einzeln nacheinander folgend im kleinen unbeirrten Gänseschritt. Wie klein du bist, Unendlichkeit! Ich begegne den vergangenen Minuten, als ich noch nicht wusste was ich weiß, der Stunde vor der letzten Stunde, die nun nicht mehr passiert sein wird. Vom Hausdach sprang die Katze auf die Mauer, nun sitzt sie da und überlegt zu springen. Sie schaut mich an und ich sehe sie rückwärts schauen. Den Blick, den sie mir zugeworfen hat, er geht zurück von mir zu ihr, sie fängt ihn auf. Dann erhebt sie sich und geht verkehrt herum über das schräge Dach. Alles sieht so komisch aus, sogar der Wind treibt die Blätter auf die Bäume.

Ich bin nun frei, endlich. Ich kann kommen woher ich will.

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