Wissenschaftlichkeit

Habe grade das interview mit Jeff Schmidt gelesen. Es spricht vieles von dem aus, was ich inzwischen erlebt habe und was auch bei Diskussionen mit Kollegen zur Sprache kam. Meine Art von Mut, dieses System zu ignorieren, beruht aber mehr auf bewusster Naivität als auf politischer Provokation. Es ist ganz einfach so: Ich akzeptiere diese politische Repressionsmaschine nicht. Das ist für mich nicht mit dem Begriff „wissenschaftlich“ verbunden.

Wissenschaftlich sein bedeutet in erster Linie: vorurteilsfrei und gründlich sein. Analog dazu die asiatische Kampfkunst: Kämpfe ohne Emotionen! Man darf seinen Gegner weder hassen noch lieben. ebenso muss man eine Theorie, so sehr man sich vielleicht zwischendurch in sie verliebt hat, in jedem Augenblick bereit sein zu verwerfen. Der Schlüsselsatz von Hajo Friedrichs lautet: „Ein Journalist soll sich mit keiner Sache gemein machen. Auch nicht mit einer guten“. Dies gilt genauso für den Physiker, Biologen, Mediziner, Kleriker, Pneumatiker und Asthmatiker. Mir fällt dazu ein Zen-Spruch ein: „Das begehrende Auge ist blind.“ Wir sind in unserer Kultur weit davon entfernt, den Gehalt dieses Satzes auch nur annähernd zu kapieren. Hier lehrt man uns tagaus tagein zu „glauben“. Und das ist absolut verheerend, denn es heisst ja nichts weiter als folgendes: einer Sache, der ich mir im Grunde nicht sicher bin, fraglos vertrauen und sie gegen jeden Zweifel verteidigen. Das mag nun ein religiöses System oder eine wissenschaftliche Auffassung sein. Immer wieder produziert eine solche Haltung die schlimmsten und unnötigsten Konflikte, Repressionen, Kriege und Genozide. Ich halte daher nichts vom „Glauben“. Anstatt zu glauben sollte man den Leuten lieber beibringen, die Augen aufzumachen und wirklich hinzuschauen, mit dem Hirn und mit dem Herzen. Denn nur das so Geschaute lässt mich frei und richtig handeln.

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